Hohenschönhausen: Rock-Musik auf Röntgenscheiben

Schallplatten aus Roentgen-Bildern

Eine hierzulande wenig bekannte Facette der Musikgeschichte hinter dem eisernen Vorhang präsentiert die Hohenschönhausener Villa Heike vom 14. August bis zum 5. September in Hohenschönhausen.

Musikbegeisterte, die zu Sowjetzeiten auf die Idee kamen, Schallplatten selber herzustellen und sie zu vertreiben, bauten in der UDSSR dafür eigene Aufnahmegeräte und benutzten Röntgenbilder, die sie als Tonträger auf Schallplattenformat schnitten.

Am Beispiel von Mikhail Farafanov, einem sowjetischen Schmuggler, wird die Entwicklung und Verbreitung der Raubkopien auf Röntgenfilmen lebendig. Erzählt wird seine Geschichte von dieser Entdeckung bis zu der Zeit, in der er seine eigenen Platten herstellte und auf den Straßen Moskaus mit Jazz, Rock’n’Roll und anderen verbotenen Genres und Liedern auf Röntgenbildern handelte.

Aufwändige Aufzeichnungstechniken

BONE MUSIC zeigt Originalartefakte, Archivmaterial, Film, Musik, Bilder und Installationen und begleitet durch die Veranstaltungen. Am 14. August ist feierliche die Ausstellung mit einem Open-Air-Rahmenprogramm. Neben begleitenden Podiumsgesprächen mit internationalen Gästen rund um Musikzensur in der Sowjetunion, DDR und heute sowie Führungen mit den Kuratoren stehen außerdem Konzerte auf dem Programm, die live aufgenommen und mit einem alten Vinylschneidegerät auf Röntgenbilder gepresst werden.

Bemerkenswerte Ausstellung am besonderen Ort

“Über den russischen Künstler Sergej Korsakov, der Teil des Kuratoren-Teams von BONE MUSIC ist, sind wir auf das außergewöhnliche Thema der Ausstellung aufmerksam gemacht worden und waren der Überzeugung, dass nicht nur der historische Ort im ehemaligen Sperrgebiet der Staatssicherheit perfekt geeignet ist, sondern auch das historische Datum des 60. Jahrestags des Mauerbaus”, erläutert Organisator Björn Doering die Entstehung dieser Ausstellung. Die Werke stellen in ihrem historischen Thema klare Bezüge zum heutigen Verhältnis zwischen künstlerischer Freiheit und unterschiedlichen Formen von Zensur her.

„Ich bin begeistert, dass diese Ausstellung nach Lichtenberg kommt, nachdem sie bereits in London erfolgreich gelaufen ist. Sie ist ein wichtiges kulturelles und politisches Zeitzeugnis und zeugt von Erfindergeist, Kreativität und Musikbegeisterung. Wer Musik liebt, lässt sie sich nicht verbieten. Die Ausstellung erzählt auch davon, wie subversiv Musik sein kann, wenn das Produzieren, Verbreiten und Hören ein Akt des Widerstandes ist. Vom Samizdat werden manche Menschen vielleicht schon einmal gehört haben, vom Roentgenizdat vermutlich noch nicht.“, kommentierte Lichtenbergs Bezirksbürgermeister und Kulturstadtrat Michael Grunst (Die Linke) “BONE MUSIC”.

Die Ausstellung ist donnerstags bis sonntags von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. 

Datum: 3. August 2021, Bild: wikimedia/Dmitry Rozhkov, Text: red