Wanderlibelle: Starker Flattermann aus der Fremde

Die Wanderlibelle wurde zur „Libelle des Jahres 2021“ gekürt

Im vorigen Sommer hat die hauptsächlich in den Tropen beheimatete Wanderlibelle erstmals auch in Deutschland für Nachwuchs gesorgt. Jetzt wurde die Art vom BUND und der Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen zur „Libelle des Jahres 2021“ gekürt.

Auch wenn die Wanderlibelle weltweit vorkommt, im europäischen Raum konnte sie erst in den letzten Jahren nachgewiesen werden. Dies hängt möglicherweise mit steigenden Temperaturen und veränderten Klimabedingungen zusammen, die nun ganz neue Wettersysteme mit sich bringen. Die Wanderlibelle trägt ihren Namen zu Recht, sie kann mehrere Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben und so große Strecken zurücklegen.

„Die hochmobilen Libellen sind gute Indikatoren für die enormen Veränderungen durch die Klimaerhitzung“, erklärt Klaus-Jürgen Conze von der Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO). „Auch in Deutschland können wir nun schon seit einigen Jahren deutliche Veränderungen in der Libellenfauna erkennen. Kritisch zu sehen sind dabei die hohe Geschwindigkeit des Wandels und die große Unsicherheit, ob die Mehrzahl der Arten unter diesen neuen Bedingungen bei uns dauerhaft weiterexistieren können.“

Passende Gewässer

Auf Englisch ist die Wanderlibelle (Pantala flavescens) auch als Global Wanderer bekannt und damit treffend charakterisiert. In riesigen Schwärmen wandert sie zwischen Afrika und Asien hin und her, um die Monsunregen zu nutzen und immer gerade dort anzukommen, wo die Wetterfronten die passenden Fortpflanzungsgewässer bereitet haben. Das macht deutlich, welches Leistungsvermögen in kleinen Organismen wie diesen Insekten steckt.

„Wandernde Libellen zeigen auch: Wer reist, braucht auch einen Ort zum Ankommen“, betont Conze. Mehr Wasser muss in der Landschaft verbleiben, um gute Lebensräume für Libellen und weitere Arten zu gewährleisten.“

Weitere Nachsuche

2019 kam es in Deutschland und in der Schweiz erstmals zu mitteleuropäischen Nachweisen von erfolgreicher Fortpflanzung „in freier Wildbahn“. In beiden Fällen wurden von Menschenhand vor kurzem angelegte Naturschutzgewässer besiedelt. Es wurden erwachsene Libellen gefunden und sogenannte Exuvien, also die beim Schlüpfen der Tiere abgestreiften Larvenhäute.

Der deutsche Erstnachweis gelang Dr. André Günther, wissenschaftlicher Mitarbeiter am NABU-Naturschutzinstitut Freiberg und Dozent an der TU-Bergakademie Freiberg. In einem Projekt zur Artendynamik in Bergbaufolgelandschaften untersuchte Günther 2019 ehemalige Braunkohleflächen bei Neupetershain im südbrandenburgischen Kreis Oberspreewald-Lausitz.

Dort konnte er zunächst im Juli ein einzelnes Männchen beobachten und fotografieren. Bei einer weiteren Nachsuche im August fanden sich dann sowohl eine Larvenhaut wie auch eine ausgewachsene Wanderlibelle.

Starke Einflüge

Der Teich in der Lausitz war sonnenbeschienen und flachgründig. Die wärmeliebende Wanderlibelle fand im Hitzesommer 2019 also gute Bedingungen vor. Ob solche Besuche in Mitteleuropa künftig zur Regel werden, muss man abwarten. Nachweise in Polen und im Raum Königsberg lassen aber vermuten, dass die Libellen aus Mittel- oder Kleinasien kamen und von dort nach Norden zogen. Dafür sprechen auch starke 2019er-Einflüge aus Südosten von Frühen Heidelibellen (Sympetrum fonscolombii) und Schabracken-Königslibellen (Anax ephipigger).

Datum: 27. Juli 2021, Text: Redaktion, Bild: Basile Morin/Wikimedia Commons