Berliner Bäume brauchen Hilfe

Berliner Bäume brauchen Wasser

Die Wetterkontraste in Deutschland könnten größer kaum sein. Obwohl gewaltige Wassermassen und Regenstürme im Westen Deutschlands mehr als 170 Todesopfer forderten, warnen Experten vor der fortschreitenden Trockenheit, die aufgrund des Klimawandels große Teile der Baumbestände in Europa bedroht.

Gerade Straßenbäume leiden in Berlin unter den erschwerten Bedingungen. „Streusalz, der Urin von Hunden und Anfahrschäden setzen ihnen zu. Andauernder Trockenstress gibt vielen Straßenbäumen den letzten Rest“, erklärt Christian Hönig, Baumreferent des BUND Berlin (Bund für Umwelt und Naturschutz). Den Ästen und Wurzeln bleiben im urbanen Umfeld nur wenig Platz, um sich auszustrecken. All diese Faktoren schwächen und schädigen die Bäume und machen sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Viele ältere Bäume hätten sich an die schwierigen Bedingungen bereits gewöhnt, indem sie weniger und kleinere Blätter tragen, sagt Hönig, und weiter: „Andere sterben ab.“ Jedes Jahr verliert Berlin 1.100 Bäume. Auf zehn Fällungen folgen derzeit allerdings nur vier Neupflanzungen.

Tiefrote Bereiche auf den Berliner Karten des Helmholtzinstituts

Dass es den Bäumen zunehmend schlecht geht, belegen auch empirische Studien: Auf den Karten des Leipziger Helmholtzinstituts für Klimaforschung hat Berlin im vierten Jahr in Folge eine beunruhigende Farbe: tiefrot. Berlin war im Juni das wärmste Bundesland Deutschlands. Die Durchschnittstemperatur lag bei 19,4 Grad Celsius. Den Kiefern geht es dabei besonders schlecht – nur noch fünf Prozent sind richtig gesund. Zwar sei die Situation in diesem Jahr laut Hönig etwas besser als in den Jahren zuvor, das mindere den Trend zur Trockenheit jedoch nicht. Gießen gegen Trockenheit. In der Hauptstadt setzen sich deshalb zahlreiche Organisationen und Freiwillige für die Bäume ein und rufen Bürger dazu auf, beim Bewässern zu helfen.

Auf der Webseite giessdenkiez.de haben Bürger etwa die Möglichkeit, den Wasserbedarf von Straßen- und Anlagenbäumen einzusehen. In der Praxis heißt das: Gießt man einen Baum – am besten morgens oder abends – kann man dies eintragen, damit andere Freiwillige sehen, dass der Wasserbedarf des Baumes gedeckt ist. Auf der Karte sind auch alle öffentlichen Wasserpumpen eingezeichnet, die Grundwasser spenden. Denn trotz aller Gießfreude sollte dafür nicht wertvolles Trinkwasser verschwendet werden, wie der BUND Berlin mitteilt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ein Jungbaum pro Gießung 200 Liter Wasser verlangt.

Immer mehr zu wässern, sei allein schon wegen der stets steigenden Kosten auf Dauer keine Lösung. Deswegen setzt Berlin auf eine bessere Pflege, klimarobuste Arten und mehr Raum für das Stadtgrün, wie die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mitteilt. Genügend Platz sei laut Hönig besonders wichtig, um eine hohe Zahl von Stadtbäumen zu erhalten.

Alte Bäume sind besonders wichtig

In Berlin gibt es inzwischen Straßenbaumtests, unter anderem im Rahmen der Testreihe des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Deren Ziel ist es, keine „Natur am Tropf“ zu erhalten, sondern einen resilienten Baumbestand zu entwickeln, der eigenständig die zunehmende Hitze übersteht. Im Rahmen der Berliner Stadtbaumkampagne wurden bislang etwa 225 Gattungen und Arten sowie Sorten gepflanzt. Der Erhalt alter Bäume ist laut Hönig noch wichtiger, um ein gutes Stadtklima und den Schutz des städtischen Ökosystems zu gewährleisten. Letztlich führe jedoch kein Weg am strikten Kampf gegen den Klimawandel vorbei.

Datum: 28. Juli, Bild: Stefan Bartylla, Text: Anna von Stefenelli

Weitere Informationen:
www.giessdenkiez.de