Schloss Köpenick: Flora, Fauna, Fabelwesen und Malerei auf Keramik

Derzeit ist eine Sonderausstellung des Kunstgewerbemuseums im Schloss Köpenick zu sehen, die sich den zeitgenössischen Keramikerinnen Grita Götze, Heidi Manthey und Sonngard Marcks widmet. In deren Werk gehen Malerei und Keramik eine besondere Symbiose ein.

In den meisterhaft gemalten Dekoren lassen sie einen ganzen Mikrokosmos aus Blumen, Gräsern, Früchten, Insekten und Amphibien entstehen. Historisch inspirierte Fabelwesen und Ornamente gesellen sich hinzu. Die rund 80 Exponate sind in die Dauerausstellung im Schloss Köpenick integriert, so dass sich Besucher auf eine mit Überraschungen gespickte Entdeckungstour durch die Epochen begeben können.

Grita Götze (geb. 1959 in Schlema) und Sonngard Marcks (geb. 1959 in Eisleben) haben in den 1980er-Jahren bei Heidi Manthey (geb. 1929 in Leipzig) an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale) studiert, wo Manthey 30 Jahre zuvor selbst Studentin war. Alle drei beherrschen die diffizile Technik der Fayence-, Porzellan- und Engobemalerei wie heute nur noch ganz wenige. Damit führen sie eine jahrhundertealte Tradition in die Gegenwart fort und beleben sie neu.

Leuchtend gestaltete Exponate

Inspiration für ihre gegenständliche Malerei schöpfen die Künstler aus der genauen Naturbeobachtung, aus historischen Vorbildern und –  im Falle von Heidi Manthey – aus der antiken Mythologie. Die Leuchtkraft der mit der Glasur verschmolzenen Farben verleiht den Motiven eine besondere Präsenz und Ausdruckskraft. Die Formen sind dabei weit mehr als nur Bildträger, sie korrespondieren mit den Dekoren. So entsteht ein spannungsreicher Dialog zwischen Oberfläche und Gefäß, ein Wechselspiel zwischen zwei- und dreidimensionaler Wirkung. Fast sämtliche der gezeigten Keramiken sind Unikate. Nicht die Funktionalität steht hier im Mittelpunkt der Gestaltung, sondern die freie künstlerische Aussage. Teekannen werden zu kleinen Bildwerken auf Sockeln, Vasen zu Skulpturen und Teller zu Wandobjekten.

In der Präsentation ergeben sich zahlreiche Querverbindungen zwischen den rund 80 Keramiken der Sonderausstellung und den permanent gezeigten historischen Exponaten im Schloss Köpenick. Auch die aufwendigen barocken Stuckdecken mit ihren täuschend echt gestalteten Früchten, Pflanzen und Figuren lassen Bezüge zu den keramischen Malereien von Grita Götze, Heidi Manthey und Sonngard Marcks erkennen. Den Kern der Ausstellung bildet der Bestand des Kunstgewerbemuseums an Keramiken von Heidi Manthey. Leihgaben aus Zur Ausstellung erscheint auch eine Publikation im Eigenverlag: ISBN: 978-3-88609-845-3, Preis: 10 Euro.

Datum: 24. Juli 2021, Text: red, Bild: Grita Götze, Foto: Klaus E. Göltz, Halle (Saale)