Mit der Fête in den Sommer

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Die Fête de la Musique stößt am 21. Juni einmal mehr das Tor zum heiß ersehnten Berliner Kultursommer auf. Hunderte Musiker werden im Stream, aber auch bei dem einen oder anderen Livekonzert den Soundtrack dazu geben.

Fête-Chef-Organisator Björn Doering sprach mit dem Berliner Abendblatt über den Plan zur großen Party in Pandemie-Zeiten. Generell sei die diesjährige Fête als Online-Event angelegt. „Ich denke aber, dass wir uns alle das einmalige Erlebnis von Livekonzerten zurückwünschen. Das Kribbeln, bevor die Band auf die Bühne geht, das körperlich spürbare Wohlgefühl, das von Bassfrequenzen ausgelöst wird.

Der Blick in glückliche Gesichter. All das fehlt und das kann ein Livestream nicht ersetzen“, sagt Doering. Deshalb wird es an ausgewählten Orten auch „echte“ Straßenmusik geben. Doering räumt aber ein, dass die virtuelle Darbietung der Konzerte eine gute Ergänzung zu den echten Live-Gigs auch in Zukunft sein dürften.

Berlin Süd-Ost rückt ins musikalische Zentrum

Der diesjährige Fokusbezirk der Fête de la Musique ist Marzahn-Hellersdorf. „Wir haben die Idee des Partnerbezirks auch 2021 weiter verfolgt, um Neuentdeckungen zu machen und die Aufmerksamkeit auf einen Bezirk zu richten, der normalerweise nicht so sehr im Vordergrund steht“, erläutert Doering. Hier gebe es mit dem Orwo-Haus die „lauteste Platte der Stadt“ und damit das größte und bekannteste Übungsraumzentrum für Bands in ganz Berlin, sagt Doering, dessen Team das Auftaktkonzert auf der großen Arena-Bühne in den Gärten der Welt am Vorabend der Fête organisiert hat. „Wir werden an dem Abend ab 18 Uhr unter anderem zwei unterschiedliche Repräsentanten der Marzahn-Hellersdorfer Musikszene erleben“, kündigt Doering an.

Da sei zum einen der erfolgreiche Pianist Thomas Krüger, Mr. Pianoman, der während der Corona-Zeit mit seinem Piano einfach von der Ladefläche eines Transporters aus zu den Menschen in den Wohnanlagen, den Höfen und den Pflegeheimen gespielt hat. Ein ähnlich mobiles Corona-Konzept hat DJ Lou Large organisiert. Der fährt mit seiner Anlage und seinem Sohn per Lastenfahrrad seit Monaten durch die Kieze, um Reggae-Sound zu den Menschen zu bringen. Zu diesem allerersten Berliner Open-Air-Konzert des Jahres werden zudem die „Vokalhelden“, junges Chorprogramm der Berliner Philharmoniker, live und natürlich per Stream zu erleben sein.

Breite Vielfalt im Angebot

Auf persönliche Fête-Tipps am eigentlichen Event-Tag, dem 21. Juni, möchte sich der Fête-Macher nicht festlegen. „Es wäre schade, wenn man einzelne Sachen besonders heraushebt und damit automatisch andere unerwähnt lässt. Aber ich freue mich sehr, dass wir von Westbam über den Intendanten der Komischen Oper im Duett mit der Sängerin Katherine Mehrling bis hin zu sehr lokalen Angeboten wie dem Unpluggedival in Pankow oder dem entspannten Sound im Strandbad Wendenschloss eine wahnsinnige Vielfalt im Programm zeigen können“, sagt er.

Eine Umplanung der Fête-Organisation zugunsten eines Live-Schwerpunktes angesichts der derzeit sinkenden Infektionszahlen werde es indes nicht geben. „So kurzfristig können nicht alle einfach ihre Planungen umwerfen und die Programme zu Live-Konzerten umwandeln.“ Daran würden zu viele Kosten, Genehmigungen und letztendlich die persönliche Verantwortung hängen, erklärt Doering. Als „Streaming-Festival für die Hosentasche“ preist er das neue Format der Fête de la Musique an. „Diese Konzerte kann man ganz nach Belieben auch im Smartphone mit in den Park nehmen und dort genießen“, sagt er.

Grundsätzlich dürfe sowieso wieder im Freien musiziert werden. „Wer als Straßenmusiker draußen spontan spielt, darf das tun, muss aber darauf achten, dass Abstände und Hygieneregeln gewahrt bleiben“, sagt Doering. Diese Schutzauflagen seien für ein Event wie die Fête, die von ihrer Spontaneität lebe, zwar nicht ganz einfach, aber in diesem Jahr nicht anders umsetzbar. Seine Empfehlung deshalb für alle Musikanten und Zuschauer: „Musik möglich machen, aber Sicherheit geht vor.“

Streaming und Infos: www.fetedelamusique.de

Datum: 16. Juni 2021, Text und Bild: Stefan Bartylla