Berlin-Charlottenburg: Neuer Ärger am Spreebord

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Der überarbeitete Entwurf für das Quartier auf der Mierendorff-Insel erntet Kritik von Grünen, SPD und einer Anwohner-Initiative. 

Entwürfe für das neue Quartier am Spreebord gab es bereits einige. Und die meisten von ihnen sorgten für Kritik und Diskussionen im Bezirk. Nachdem das Projekt der WerkbundStadt Berlin auf dem 2,8 Hektar großen Areal bereits im Jahr 2018 gescheitert ist, wurden einige Architektenbüros mit einer Neugestaltung beauftragt. Im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung wurde nun der nochmals überarbeitete Siegerentwurf aus dem vergangenen Jahr von Stefan Höhne Architekten vorgestellt – und erntete prompt Kritik seitens der Grünen- und SPD-Fraktionen im Bezirksparlament (BVV). Zu sehr weiche dieser vom 2017 vereinbarten städtebaulichen Vertrag ab. „Das vorgestellte Verhältnis von Wohnen zu Gewerbe von 40 Prozent zu 60 Prozent ist angesichts des großen Bedarfs an Wohnraum kein überzeugendes Angebot und muss deutlich zu Gunsten des Wohnanteils verändert werden“, sagt Wolfgang Tillinger, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Rund 800 Wohnungen seien hier immerhin möglich.  

Mehr Mietwohnungen und ein Nachbarschaftscampus gefordert

Das aber lasse sich mit dem neuen Entwurf nicht realisieren, ergänzt Jenny Wieland (Grüne). „Stattdessen muss eine andere städtebauliche Lösung angestrebt und auch der Sozialcampus muss angemessen berücksichtigt werden. Beispielsweise zeigen die Entwürfe der zweit- und drittplatzierten Wettbewerbspreisträger ein höheres Umsetzungspotenzial“, sagt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion weiter. Die Zählgemeinschaft empfiehlt dem Investor nun, sich an den städtebaulichen Strukturen der Umgebung zu orientieren. Auch bei Anwohnern regt sich Unmut angesichts der aktuellen Planungen. Die Initiative Nachhaltige Mierendorff-INSEL richtet sich in einem offenen Brief an die Fraktionen der BVV und fordert mehr Einsatz für einen Nachbarschaftscampus und mehr Mietwohnungen auf dem Areal.

Auf dem ehemaligen Tanklager auf der Mierendorff-Insel soll ein urbanes Quartier mit Wohnungen, Büros sowie Gewerbeeinheiten und einer Kita entstehen. Auch Grün- und Spielflächen sind vorgesehen. Im vergangenen Jahr konnte sich der Entwurf von Stephan Höhne Gesellschaft von Architekten mbH gegen vier andere Einreichungen durchsetzen. Er bildet nun die Grundlage für das weitere Bebauungsplanverfahren.

Datum: 13. Juni 2021, Text: kr, Bild: IMAGO/Jürgen Ritter