Berlin-Karlshorst: Die „Russenoper“ heißt jetzt KAHO

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Berlin ist um einen außergewöhnlichen Kulturstandort reicher: Die Stiftung Stadtkultur gab am vergangenen Dienstag das zukünftige Nutzungskonzept sowie den neuen Namen des ehemaligen Theaters Karlshorst im Lichtenberger Süden bekannt: KAHO. Raum für Kultur.

Mehr als ein Jahrzehnt befand sich das Gebäude, im Volksmund als Russenoper bekannt, im Dornröschenschlaf. Mit der Umbenennung nimmt ein Reaktivierungsprozess nun Fahrt auf, der 2018 mit der Gründung der Stiftung Stadtkultur und der Übertragung des denkmalgeschützten Gebäudes von der Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH an die Stiftung Stadtkultur begonnen hat.

Ab dem Jahr 2022 wird das KAHO restauriert, saniert und umgebaut und kann voraussichtlich ab 2025 als multifunktionaler Veranstaltungsort für verschiedene Kunstsparten wie Theater, Kino, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen in den Gebäudeteilen Turmhaus, Saal, Foyer im Erdgeschoss, Foyer im ersten Obergeschoss und auch auf dem Vorplatz genutzt werden.

Neuanfang mit Vision

Um den Wandel erlebbar zu machen, wird das KAHO schon während der Umbauphase geöffnet sein. So findet voraussichtlich ab dem Spätsommer ein Interimsprogramm statt, das sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Vergangenheit des Gebäudes befasst und eine Vision für die Zukunft entwerfen soll. Auf dem Vorplatz und im Turmgebäude des Hauses soll es dann zwischen August und November über 100 Veranstaltungen mit Konzerten und Mitmachangeboten, Tanzkursen und Kunstveranstaltungen geben. „Wir werden mit diesem Programm und mit der neuen Nutzung des Hauses dem Ortsteil Karlshorst ein Stück seines Herzens wiedergeben“, sagt Pirkko Husemann, Vorständin der Stiftung Stadtkultur. Den Auftakt des Veranstaltungssommers am KAHO macht ein Konzert der Karlshorster Band Sind auf dem Vorplatz  sowie ein Live-Act der russischen DJane Riba. Ebenfalls auf dem Vorplatz des Theaters sollen auch Tanzstunden in der Tradition des Clärchen’s Ballhaus geben.

 

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Das neue Raum- und Nutzungskonzept für das KAHO wurde 2018/19 im Zuge mehrerer Werkstattgespräche mit Expertinnen und Experten aus Architektur, Kultur und Politik erarbeitet: Ziel bis 2025 wird es sein, einen multifunktionalen, zeitgenössischen Kulturstandort zu etablieren, der neue Freiräume für spartenübergreifende Kunst und Stadtkultur im Kiez bietet.

Das Theater Karlshorst sollte zu mehr als nur einem Saal mit Großbühne ausgebaut werden, war damals der Konsens aller Gespräche. Augenfälligste Neuerung im Haus: Die Schräge der Zuschauerreihen im großen Saal wird geebnet, so dass der Raum auch für andere Veranstaltungen nutzbar sein wird. Mit zum Gesamtkonzept gehört ebenso die Einbeziehung des Vorplatzes und der Ausbau einer Terrasse in der ersten Etage über dem Haupteingang des Hauses.

Zum programmatischen Profil sagt Pirkko Husemann: „Die Identität des KAHO ist durch seine besondere Historie als ehemaliges sowjetisches Haus der Offiziere und Privattheater mit lokaler Verankerung geprägt. Wir wollen dieser Vergangenheit Rechnung tragen, den Kulturstandort im Süden Lichtenbergs, im Herzen von Karlshorst und im Osten von Berlin aber gleichzeitig in die Zukunft befördern. Das KAHO soll zu einem Ort werden, an dem sich Berliner unterschiedlicher Generationen sowie sozialer und kultureller Hintergründe wiederfinden und beteiligen können.” Damit sich das KAHO nach dem Umbau wirtschaftlich weitgehend selbst tragen kann, ist eine Mischnutzung durch verschiedene Akteure vorgesehen: durch die Stiftung selbst, über Kooperationen zwischen Stiftung und anderen Partnern und durch externe Nutzer. Vor diesem Hintergrund dient das Interimsprogramm auch als Gradmesser, wofür sich die Räume des KAHO besonders eignen und welche Angebote von den Berlinern an diesem Standort nachgefragt werden.

Umbau und Historie

Der Bauantrag zum  Umbau der früheren Großbühne für bis zu 600 Zuschauern in einen zeitgenössischen Veranstaltungsort ist bereits seit einigen Monaten genehmigt. Die Stuhlreihen im großen Saal sind bereits entfernt. Derzeit laufen die Planungen in den Bereichen Denkmalpflege, Architektur, Statik, Haus- und Veranstaltungstechnik. Saal, Bühne und Foyers, um sie denkmalgerecht zu sanieren und funktional zu einer zeitgemäßen Veranstaltungsstätte zu gestalten. Die Baukosten sollen laut Howoge-Angaben im höheren, einstelligen Millionenbereich liegen. „Die Revitalisierung des Theaters Karlshorst ist das wichtigste kulturelle Projekt, dass wir derzeit in Planung hat“, erläutert dazu Howoge-Geschäftsführer Thomas Felgenhauer dass Engagement seines Unternehmens

Mit der Umsetzung wurde das Berliner Architekturbüro dhl-architekten beauftragt, das sich durch langjährige Erfahrung mit Kunst- und Kulturbauten sowie Expertise im innovativen Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz auszeichnet.

Bewegte Geschichte am zentralen Karlshorster Ort

Erbaut 1948/1949 als „Dramatisches Theater Karlshorst“ war es ab der Inbetriebnahme bis 1963 als Haus der Offiziere nur den sowjetischen Militärangehörigen und Zivilangestellten zugänglich, da es sich innerhalb der sowjetischen Sperrzone befand, die die Berliner als „verbotene Stadt“ bezeichneten. Diese wurde 1963 aufgehoben, sodass das Theater dann auch für die ganze Bevölkerung offen war und für Jugendweihen, Konzerte, Theater- und Kinovorführungen genutzt wurde. Der Theaterkomplex ging 1994 in den Besitz der Wohnungsbaugesellschaft Lichtenberg mbH über, die heute Teil der Howoge ist. Das Gebäude wurde weiter kulturell genutzt, bis der Theaterbetrieb 2007 eingestellt wurde.

Datum: 19. Mai 2021, Text: red/Stefan Bartylla, Bilder: Howoge