Tempelhofer Damm: Rad- und Autofahrer im Dauerclinch

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Gestellte Szene: Ein Radfahrer beschwert sich bei einem Autofahrer. Berlin, 13.02.2018. Berlin Deutschland *** Asked scene a cyclists complained to a motorist Berlin 13 02 2018 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xFlorianxGaertner/photothek.netx

Die allgemeine Aggression zwischen Radfahrern und Autofahrern scheint zu steigen. Die zunehmend schwierige Parkplatzsituation verschärft die Situation, insbesondere in Tempelhof-Schöneberg.

Anwohner in Tempelhof-Schöneberg beschweren sich. Offensichtlich bleibt es nicht beim Wegfall der Parkplätze am Tempelhofer und Mariendorfer Damm. Auf Facebook posten Anwohner regelmäßig Fotos von immer neuen Parkverbotsschildern, auch in Seitenstraßen. Das verschärft die Situation zwischen Autofahrern und Radfahrern. Die Stimmung brodelt. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man die Kommentare unter besagten Beiträgen auf Facebook verfolgt. 

Da gibt es zum einen die Autofahrer, die den Verlust von Parkplätzen und ein „autofeindliches Klima“ beklagen. Die sagen, dass sie ihr Auto verkaufen oder wegziehen wollen. Dann wieder gibt es die Radfahrerfraktion, die die fahrradfreundlicheren Wege loben.

Eine Anwohnerin, Martina Klocke, sagte auf Nachfrage des Berliner Abendblatts: „Auch ich habe Probleme, einen Parkplatz zu finden und fahre deshalb wieder mehr Fahrrad. Dadurch brauche ich länger, weil ich pendle“. Einerseits ärgere sie sich über diesen Trend, weil es mit mehr Aufwand im Alltag verbunden sei. Andererseits findet sie den neuen Verkehrstrend gut für das Klima.

Gesteigerte Aggression zwischen Rad- und Autofahrern 

Eines sei ihr jedoch aufgefallen: Die Aggression zwischen Radfahrern und Autofahrern steige. Ist das eine subjektive Meinung oder allgemeine Realität? Zumindest ist es eine interessante Aussage, wenn man den Vorfall zwischen einem Autofahrer und einer Radfahrerin kürzlich in Tempelhof bedenkt. Der Mann soll die Frau vom Rad gerissen und sie auf den Gehweg gedrückt haben. 

Andreas Winkelmann, als Erster Oberamtsanwalt auf Verkehrsstraftaten spezialisiert, bezeichnet das Geschehen aus Tempelhof als „absoluten Standardfall“, bei dem lediglich die Brutalität „schon etwas größer“ sei als sonst üblich. Die meisten derartigen Taten werden von der Amtsanwaltschaft in Moabit bearbeitet und angeklagt.

Nach Auskunft von Winkelmann führen Amts- und Staatsanwaltschaft in Berlin jedes Jahr mehrere Tausend Ermittlungsverfahren wegen Aggression und tätlicher Angriffe im Straßenverkehr. Im Coronajahr 2020 sei die Fallzahl allerdings leicht gesunken. Im längerfristigen Schnitt habe die Berliner Justiz pro Jahr gegen etwa 2.500 Männer und etwa 500 Frauen als Beschuldigte von Aggressionsdelikten im Straßenverkehr ermittelt. Die große Mehrheit der Täter sei 21 bis 40 Jahre alt; darüber nähmen die Fallzahlen deutlich ab.

Das Interessante dabei: Besonders häufig sind nach Auskunft von Winkelmann Aggressionen zwischen Rad- und Autofahrern. Dabei gibt es sehr wohl einen „klassischen“ Fall. Dieser beginne mit einem Fehlverhalten des Autofahrers, der einen Radfahrer – meist aus Unachtsamkeit – schneide oder bedränge. Daraufhin reagiere der Radfahrer mit Beschimpfungen. Beide Parteien würden sich dann so hochschaukeln, bis mindestens ein Beteiligter ausraste. Dies schilderte Winkelmann gegenüber dem Tagesspiegel.

Berlin zunehmend „autofeindlich“

Während der Parkplatzmangel und der Parkplatzsuchverkehr steigt, ist die zunehmende Genervtheit von Autofahrern die logische Folge. Ob dies jedoch  das Konfliktpotenzial im Straßenverkehr steigert, wird sich wohl erst noch zeigen. Sicher ist, dass Autofahrer es in der Stadt zunehmend schwer haben. Während die Diskussion in Berlin um die infrastrukturelle Ausrichtung der Stadt längst noch nicht entschieden ist, werden in den Planungen für die zukünftigen Stadtquartiere und Infrastrukturvorhaben längst Tatsachen geschaffen. Denn: Vor allem in den Planungen für Berlins zukünftige Wohnviertel wird das Auto bewusst herausgeplant, oder es werden Mobilitätsalterativen geschaffen. 

Das zeigt sich nicht nur am T-Damm, sondern auch etwa beim Neubau der Mühlendammbrücke. Dort steht die starke Reduzierung des KFZ-Verkehrs im Fokus. Auf der anderen Spreeseite in Kreuzberg, gibt es gleich mehrere ökologisch motivierte Projektansätze, wie etwa die Verlängerung der Tramlinie M10 durch die Falckensteinstraße bis zum Herrmannplatz. 

Datum: 17. Mai 2021, Text: Anna von Stefenelli, Bild: IMAGO / phototek