Aktionsbündnis kritisiert Neubauplan für Lichterfelde Süd

Parks Range Lichterfelde Süd
Parksrange, ehemaliger Truppenuebungsplatz, Osdorfer Strasse, Lichterfelde, Berlin, Deutschland *** Parksrange former military training area Osdorfer Strasse Lichterfelde Berlin Germany

SPD und Linke fordern Gutachten zu Klimafolgen der künftigen Wohnbebauung in Lichterfelde Süd. Der Antrag scheitert im Bezirksparlament.

Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd lehnt die Planungen für die künftige Wohnbebauung auf dem früheren Gelände der US-Armee ab. „Die bisherigen Planungen zu der Aufstellung des Bebauungsplans 6-30 in Lichterfelde Süd ignorieren die Auswirkungen des Klimawandels –  die Auswirkungen der Bebauung auf die nördlich angrenzende Thermometersiedlung, teilt die Initiative schriftlich mit.

Hintergrund der erneuten Kritik ist die jüngste Debatte in der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf zu dem Thema. Die Fraktionen von SPD und Linken hatten einen Antrag „Klimagutachten für das Bauvorhaben Lichterfelde Süd, B-Plan 6-30“ eingereicht. Die BVV lehnte diesen Antrag mit Mehrheit und vor allem mit den Stimmen der Zählgemeinschaft aus CDU und Grünen ab. „Statt einer Entlastung für die heute schon hitzegefährdete Thermometersiedlung wird stur an den Plänen des Investors festgehalten“, so das Aktionsbündnis. „Gesundheit und Wohlbefinden spielen keine Rolle.“

Aktionsbündnis: Planung verstößt gegen Energie- und Klimaschutzprogramm

Die bisherige Projektplanung verstoße fundamental gegen das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030. Durch die Bebauung des Gebietes in Lichterfelde Süd entstehe ein Netto-Flächenverlust an Bodenkühlleistung, bedingt auch durch das Abbremsen des Kaltluftzustroms aus Brandenburg. Die Reduzierung der kühlenden Flächen der Parks Range selbst trage zur Erwärmung bei und mindere die Wirksamkeit der Kaltluftbahnen, die durch sogenannte  „grüne Finger“ in die Thermometersiedlung geleitet werden sollten. „Diese sind zu schmal und falsch ausgerichtet.“

Wie zuvor SPD und Linke fordert auch das Aktionsbündnis ein Gutachten über die „stadtklimatischen Folgen des Bauvorhabens sowie explizite Folgen für die Thermometersiedlung“.

2.500 neue Wohnungen auf früherem Truppenübungsplatz

Südlich der Thermometersiedlung, auf dem knapp 100 Hektar großen Gelände zwischen Osdorfer Straße und S-Bahn-Trasse, werden in den nächsten Jahren rund 2.500 Wohneinheiten entstehen und das ehemalige US-Truppengelände „Parks Range“ in eine kleine Stadt verwandeln, so das Bezirksamt.

Das von der Groth-Gruppe und dem Bezirk erarbeitete Konzept sieht vor, Mensch, Natur und Energie auf einem ökologisch wertvollen Gelände durch gute Planung und viele Ausgleichsmaßnahmen in Einklang zu bringen. Neben den entstehenden Geschoss- und Sozialwohnungen sowie Doppel- und Reihenhäusern sind der Neubau einer Schule mit Sportplatz, drei Kindertagesstätten, einer Freizeiteinrichtung sowie diverse Gewerbeflächen, öffentliche Grünflächen und Plätze Inhalte des Städtebaulichen Vertrags. Dazu gehören auch der Erhalt und die Pflege großer Teiler der „Lichterfelder Weidelandschaft“.

Datum: 11. Dezember 2020, Text: Nils Michaelis, Bild: imago images/Joko