Berlin-Lichterfelde: Entscheidung zum Mäusebunker fällt 2021

Mäusebunker Tierversuchslabor, FU-Berlin, Hindenburgdamm, Lichterfelde, Berlin, Deutschland *** Mäusebunker Tierversuch
Mäusebunker Tierversuchslabor, FU-Berlin, Hindenburgdamm, Lichterfelde, Berlin, Deutschland *** Mäusebunker Tierversuchslabor, FU Berlin, Hindenburgdamm, Lichterfelde, Berlin, Germany

Der vom Abriss bedrohte Mäusebunker in Lichterfelde erhält eine Gnadenfrist von einem Jahr. Vielleicht bleibt das ehemalige Tierversuchslabor sogar länger stehen.

Der vom Abriss bedrohte sogenannte Mäusebunker in Lichterfelde erhält eine Gnadenfrist mindestens bis zum kommenden Jahr – möglicherweise bleibt das ehemalige Tierversuchslabor sogar länger stehen. 

Im Rahmen eines „wettbewerblichen Dialogverfahrens“ zur Entwicklung des Campus um das Klinikum Benjamin Franklin soll geklärt werden, was aus dem 1971 bis 1980 errichteten Sichtbetonbau an der Krahmerstraße werden soll. Erste belastbare Ergebnisse sollen im dritten Quartal 2021 vorliegen. Es werde geprüft, ob eine weitere Nutzung des Gebäudes „strukturell, inhaltlich und wirtschaftlich sinnvoll und möglich ist“, so Wissenschafts-Staatssekretär Steffen Krach (SPD) in seiner Beantwortung der Anfrage der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg.

Von dem Ergebnis hänge ab, ob die Charité das frühere zentrale Tierversuchslaboratorium der Freien Universität (FU) Berlin in ihre Planungen einbezieht, ihn abgibt oder aber ihren Abbruchantrag weiterverfolgt.

Tausende Unterschriften gegen den Abriss des Mäusebunkers

Die Charité will das nach Plänen des Architekten Gerd Hänska errichtete Gebäude für den Ausbau des Forschungscampus rund um das Klinikum Benjamin Franklin abreißen. Doch dagegen formierte sich Protest. Der Architekt Gunnar Klack und der Kunsthistoriker Felix Torkar starteten eine Online-Petition gegen den Abriss, die mehrere Tausend Unterschriften erhielt.

Der Mäusebunker gilt als bedeutendes Zeugnis des sogenannten Brutalismus, er steht aber nicht unter Denkmalschutz. Charité und Landesdenkmalamt haben sich nach Angaben des Wissenschafts-Staatssekretärs darauf verständigt, dass der Abbruchantrag ausgesetzt wird und „seitens der Charité keine Abbruchaktivitäten erfolgen“. Das Landesdenkmalamt wiederum hat die Eintragung des Mäusebunkers als Denkmal vorläufig ausgesetzt.

Abgeordnete Gennburg: Debakel um ICC darf sich nicht wiederholen

„Der Mäusebunker ist eines der bedeutenden Baudenkmale Berlins und darf nicht abgerissen werden, das haben seit dem Frühjahr unzählige Fachvertreter klargestellt“, sagt Gennburg. Ein Umgang wie mit dem Internationalen Congress Centrum (ICC), das seit Jahren leer steht, verbiete sich angesichts des Raumbedarfs von Kunst- und Kultur in Berlin.

Das neue Dialogverfahren sei gut, entbinde aber auch die Landesregierung nicht von einem „klaren Bekenntnis zum Schutz dieses Gebäudespektakulums“, so Gennburg. Betriebswirtschaftliche Erwägungen dürften keinesfalls über den Denkmalwert gestellt. „Ich betrachte das bisherige Nutzungsproblem als gelöst, da sich inzwischen die halbe Architekturszene mit konkreten Lösungen in die Debatte eingeschaltet hat“, sagt Gennburg. Erste Ideen für Alternativnutzungen sehen Kunstlager und Ateliers vor.

Das Bezirksparlament von Steglitz-Zehlendorf macht sich in einem kürzlich gefassten Beschluss für einen Abriss des Mäusebunkers stark. Die Überprüfung des Denkmalschutzstatus soll abgebrochen werden, heißt es in der von der CDU-Fraktion eingebrachten Beschlussvorlage.

CDU: Hype um Mäusebunker ist von kurzer Dauer

„Mit dem Abriss würde man dem Willen der Charité entsprechen, die genau hier für den Campus Benjamin Franklin einen neuen Forschungsstandort sieht“, lautet die Begründung. „Dieser bietet für den Bezirk bessere Perspektiven, als einem besonders hässlichen Beispiel für den West-Berliner Brutalismus der 1970er-Jahre den Status des Bau- und Kulturdenkmals zu verhelfen.“ Der Hype um ein Gebäude in diesem Stil werde nicht von Dauer sein – eine Unterschutzstellung schon.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung. Den Originalartikel finden Sie hier

Datum: 3. Dezember 2020, Text: Ulrich Paul/nm, Bild: imago images/Joko